Tschö Wordpress!
Ich weiß nicht genau, wann Wordpress seinen Platz räumen muss, aber es wird nicht mehr lange dauern, da bin ich mir sicher. Schon seit einiger Zeit hat diese Software ein wenig ihren Reiz für mich verloren. Sie kann viel, aber Wordpress ist auch ein ziemlicher Brummer (kein Vergleich zu Joomla! zugegebenermaßen, ich erinnere mich mit Grauen). Schon allein die Aufteilung in Front- und Backend gefiel mir seit einiger Zeit nicht mehr, spätestens seitdem ich mit WackoWiki meine Examensunterlagen verwaltet habe. Außerdem ist Wordpress eben nur für Blogging, und blog-ähnliches Content-Management geeignet. Auch hier: schon beim Umgang mit WackoWiki habe ich gemerkt, das Wikis einfach besser in der Lage sind, flexibel ganz unterschiedliche Inhalte zu integrieren. Und ein Fan von TinyMCE, dem Editor mit dem man in Wordpress Beiträge verfasst, werde ich vermutlich nie werden (was sicher der Tatsache geschuldet ist, dass ich ein brutaler OS- und Browser-Hopper bin und TinyMCE damit vor meinen Augen ständig sein Verhalten verändert).
Daher habe ich mich in den letzten Tagen mit DokuWiki befasst. Im Gegensatz zu WackoWiki und anderen Wiki-Softwares kommt es ohne Datenbank aus, was meiner Vorliebe für schlankes Design entgegenkommt und updates erleichtert. Das Backup der mySQL-Datenbank war in der Vergangenheit im Übrigen immer das größte Ärgernis bei Updates. Jetzt steckt der ganze Inhalt in popeligen UTF-8 codierten Textdateien. Ganz nach meinem Geschmack.
Hinzu kam, dass nach einem der letzten Wordpress-Updates das Tagging gar nicht mehr funktionierte. Überhaupt war die Installation und v.a. das am Laufen halten der hier verwendeten Plugins oft schwierig. Meine Ungeduld, und auch meine mangelnde Bereitschaft mich stundenlang damit zu beschäftigen, haben eine ganze Menge Morast in Form halb installierter, nicht funktionsfähiger und/oder unbenutzter Plugins hinterlassen. Insbesondere Versuche, Medien zu integrieren, sind in der Vergangenheit an einem Gemisch aus Unlust, Unfähigkeit, Unordnung und technischen Unmöglichkeiten gescheitert.
Umso erstaunter war ich, als ich nach wenigen Stunden experimentieren absehen konnte, dass DokuWiki plus ein Reihe sehr leicht zu installierender und zu deinstallierender Plugins schnell alles kann, was ich in der Vergangenheit hier mit Wordpress nicht konnte. Der größte, grundsätzliche strukturelle Vorteil ist dabei, dass man ein Wiki in Sektionen (hier: namespaces) unterteilen kann, denen man ganz unterschiedliche Funktionen zuteilt. Hier bloggen, dort Fotos sammeln, an anderer Stelle Notizen machen und im Prinzip immer und überall, wenn gewünscht, alles zusammenführen. Hier ein Netzwerk mit selbstwählbaren Knotenpunkten, deren Gewicht und Zentralität man jederzeit verschieben kann, dort letztlich immer eine Art Zeitstrahl.
Als ich mich vor ein paar Jahren für Wordpress entschieden habe, gaben vor allem die Vorteile einer großen Entwickler- und Fangemeinde den Ausschlag (und die Lizenz selbstverständlich). Dadurch gab es von Anfang an viele Erweiterungen und Themes. Allerdings bin ich ja auch eher Freund minimalen Designs, insofern war all das nach einer kurzen Rumspielphase nicht mehr besonders interessant. Und richtig interessante Features diffundieren eben zwischen den verschieden Blog-Publishing/CMS/Wiki-Softwares schnell hin und her.
Und: Form bestimmt den Inhalt. Das kann ich aus eigener Erfahrung 100%-ig bestätigen. Wordpress plus das Template, dass ich hier installiert habe setzen ganz bestimmte Grenzen für das Veröffentlichen. Nur Text, von einer gewissen Länge. Wenn Bilder, dann nur mit ausreichend Text, denn sonst zerschießt es das sowieso schon prekäre Design dieses Blogs. Das Einbinden von Flashvideos oder YouTube auf der Vorderseite ist eine ganz schlechte Idee. Mit DokuWiki wird die Form toleranter und ich hoffe, damit wird es auch einfacher regelmäßig Sachen zu veröffentlichen. Aber selbst wenn nichts für die Außenwelt Sichtbares dabei herauskommt lohnt sich für mich der Umgang mit DokuWiki, denn als Betriebssystem-unabhängige und leicht verpflanzbare Spielwiese, Notizbuch und Fundgrube werde ich es sicher lokal benutzen.
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- Veröffentlicht:
- 13.02.08 / 10.21 Uhr
- Tags:
- Bonus
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