Luft holen

Nun bin ich fast durch. Der allerletzte, längst nicht mehr ganz so lange Lauf am Sonntag liegt hinter mir. Heute nur noch ein letztes Tempotraining in Marathongeschwindigkeit über eine kurze Distanz. Nur um sich nochmal daran zu gewöhnen, wie sich das anfühlt, was ich am Wochenende gut 42km durchhalten will.

Damit wär endgültig alles getan. Oder auch alles zu spät. Bei Klausuren gibt es den Punkt am Abend vorher, ab dem ich mich gezwungenermaßen entspannen und zurücklehnen musste, weil ich wusste, mehr lernen und arbeiten macht es nun nur noch schlimmer. Das dauert beim Marathon fast eine Woche. Richtige Entspannung stellt sich dabei leider nicht ein, denn erfahrungsgemäß ist der Körper in dieser Zeit auch anfällig. Wenn das Training seinen Klammergriff löst, denkt das Immunsystem offensichtlich, es könne nun auch mal eine Erkältung durchlassen. Und die vom Training geschundenen Muskeln und Gelenke nutzen die plötzliche Freiheit, ihren Unmut über die ständige Rennerei der letzten Zeit durch Zwicken und Zwacken kund zu tun.

Während ich also nervös in mich hineinhöre, scheinen sich die äußeren Bedingungen eher zu meinen Gunsten zu verändern. Mit der mäßigen Präzision, mit der die Meterologen vorhersagen über ein paar Tage treffen können, zeichnet sich eine bewölkte aber einigermaßen trockene Wetterlage ab, bei um die 11, 12 Grad. Da ist eigentlich ziemlich optimal. Ich hoffe nur, dass der Wind sich etwas beruhigt, denn Gegenwind gehört zu den wenigen Schlechtwetterphänomenen, die mich beim Laufen wirklich fluchen lassen. Ich empfinde das immer als Leistungsdiebstahl. Wie als wenn das dämliche Wetter einem schlicht die Sekunden klaut. Bei Gegenwind werde ich richtig sauer. Fast schlimmer als bei rücksichtslosen Hundebesitzern.


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