Kein Feind, nur fett

Der Wehrbeuaftragte Robbe stellt heute seinen Tätigkeitsbericht vor und vorab schon verlautete, er wird feststellen, die Soldaten sind nicht fit. Fetter als vergleichbare Zivilisten und sie rauchen mehr. Nun war ich vor knapp zehn Jahren auch mal da, um meiner Pflicht zur Vaterlandsverteidigung nachzukommen und hätte damals schon beredt Zeugnis von diesem Umstand ablegen können. Nicht nur verbal. Als ich von der Bundeswehr “wiederkam”, also endgültig und nicht nur über das Wochenende, wog ich soviel wie nie zuvor und hatte eine Kondition, die mich nicht im Entferntesten mehr so weit und schnell laufen ließ, wie noch zu Abiturzeiten, nicht einmal zwölf Monate zuvor.

Woran lag’s? Dick gefressen habe ich mich v.a. auf Grund des ewigen Wartens. Bei der Bundeswehr, vermutlich bei allen Armeen der Welt, wird immer und ständig gewartet. Auf Befehle, Termine, Staffel-/Kompanie-/Zug-/Gruppen-/Truppführer. Der wichtigste Grund, den beruflichen Aufstieg in der Bundeswehr anzustreben, ist, dass man immer nur auf die über einem warten muss, d.h. je höher der Rang, desto weniger muss man warten.

Und selbst ich, der ich mit einiger Geduld gesegnet bin, bin oft genug dazu übergegangen warten mit essen oder rauchen zu verbringen. Letzteres wird einem noch zusätzlich dadurch angetragen, dass Führer, die selbst mit den ihnen Anvertrauten auf höhere Führer warten müssen, ihre eigene Ohnmacht damit zu verschleiern versuchen, dass sie aus nur “Warten” eine befohlene Zigarettenpause machen. So bleiben sie oberflächlich betrachtet “in Führung”.

Und dann diese Essenszeiten. Sehr früh morgens frühstücken, sehr früh mittags Mittagessen, viel zu früh abends Abendessen und dann natürlich, da ja kein Mensch um sechs ins Bett geht, zu einer normalen Abendessenzeit eine vierte Mahlzeit, selbstorganisiert. Wenn man aber tagsüber mit Warten verbringt kann man sich vier Mahlzeiten figürlich nicht leisten.

Dass man keine dieser Essenpausen einfach mal auslässt, liegt womöglich auch am Warten. Denn für die Zeit des Essens und wenn man dann erstmal seine Mahlzeit vor sich hat, muss man wenigstens auf niemanden warten. Da kann man eigenständig disponieren, eine sehr entspannende Erfahrung, auf die man unter solchen Umständen nicht verzichten möchte.


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